Marktlage · 14. August 2026

Heizöl kostet 51 Prozent mehr als vor einem Jahr

139,50 Euro je 100 Liter, 51,5 Prozent mehr als vor zwölf Monaten. Am Vortag war es teurer. Was das über Wirtschaftlichkeitsrechnungen sagt.

Seit die Straße von Hormus für den regulären Schiffsverkehr blockiert ist, notiert Brent nahe 90 US-Dollar, und der Heizölpreis in Deutschland zieht mit. Die Zahl, die dabei durch die Meldungen läuft, ist der Wochenanstieg. Die interessantere steht daneben.

Die Kernzahlen

Alle Angaben nach dem Tecson-Referenzpreis vom Donnerstag, 13. August 2026, Basis 3.000 Liter schwefelarmes Heizöl inklusive Mehrwertsteuer. Bei kleineren Abnahmemengen liegt der Literpreis deutlich höher, das ist beim Vergleich mit dem eigenen Lieferschein wichtig.

Der letzte Punkt gehört zu den anderen dazu. Der Preis ist nicht auf einer Einbahnstraße, er bewegte sich am selben Tag, an dem alle über den Anstieg schrieben, wieder nach unten. Auslöser der Bewegung ist die Lage am Golf: Iran hat Bedingungen für eine Wiederöffnung der Meerenge gestellt, und jede Meldung dazu schlägt binnen Stunden auf die Notierungen durch.

Warum die Jahreszahl die eigentliche Nachricht ist

Ein Plus von sieben Prozent in einer Woche ist ein Ereignis. Ein Plus von einundfünfzig Prozent in zwölf Monaten ist ein Zustand.

Wer heute eine Wirtschaftlichkeitsrechnung für seine Heizung liest, findet darin fast immer einen Ölpreis als feste Zahl, meist in Cent je Liter, oft mit einer angenommenen jährlichen Steigerung von zwei oder drei Prozent. Genau diese Zahl hat sich in den vergangenen zwölf Monaten um die Hälfte bewegt. Eine Rechnung, die auf einem solchen Punktwert steht, ist keine Prognose, sondern eine Momentaufnahme mit Nachkommastellen.

Das gilt in beide Richtungen und ist kein Argument für schnelle Entscheidungen. Fällt der Ölpreis nach einer Einigung am Golf wieder, sieht dieselbe Rechnung anders aus. Wer jetzt aus Sorge vor dem nächsten Winter einen Vertrag unterschreibt, trifft die Entscheidung aus demselben Grund, aus dem sie später bereut wird: wegen einer Zahl, die niemand kennt.

Was das für ein Projekt bedeutet

Zwei praktische Konsequenzen.

Erstens: Fragen Sie nach der Spanne, nicht nach dem Ergebnis. Wenn Ihnen jemand vorrechnet, dass sich eine Wärmepumpe in elf Jahren amortisiert, ist die schwächste Stelle dieser Rechnung nicht die Anlage, sondern der unterstellte Energiepreis. Belastbar wird sie erst, wenn daneben steht, was bei einem um dreißig Prozent niedrigeren und einem um dreißig Prozent höheren Preis herauskommt. Bleibt das Ergebnis in beiden Fällen tragfähig, trägt es. Kippt es, wissen Sie, worauf Sie wetten.

Zweitens: Trennen Sie Planbares von Unplanbarem. Ein Teil der Kostenentwicklung bei Öl und Gas ist Geopolitik und damit nicht vorhersehbar. Ein anderer Teil ist politisch gesetzt und steht im Gesetz, allen voran der CO2-Preis, dessen Pfad für die kommenden Jahre feststeht. Was davon planbar ist und wie es sich auf Ihre Heizkosten auswirkt, steht im Ratgeber CO2-Preis. Den Vergleich zwischen Wärmepumpe und fossiler Heizung, aufgeschlüsselt statt als Faustformel, finden Sie unter Wärmepumpe oder Gasheizung.

Wir rechnen Vorhaben mit Spannen statt mit einem Wert, und wir sagen es, wenn eine Rechnung nur unter günstigen Annahmen aufgeht. Was uns diese Haltung ermöglicht und wo sie an Grenzen stößt, steht auf der Seite Transparenz.

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