Systemvergleich · Vollkosten · Ohne Verkaufsinteresse

Wärmepumpe oder Gasheizung? Die ehrliche Rechnung.

Fast jeder, der diesen Vergleich veröffentlicht, verkauft eine der beiden Heizungen. Wir nicht. Deshalb finden Sie hier beides: die nüchterne Vollkostenrechnung über 20 Jahre und den Abschnitt, den Verkäufer weglassen, nämlich wann die Gasheizung (noch) die rationale Wahl ist.

  • Beispielrechnung offen gelegt
  • CO2-Preis eingerechnet
  • Auch Pro-Gas-Fälle
Stand: 31. August 2026 · Preise mit Quellen-Datum, Förderstand 21.07.2026

Die Beispielrechnung gilt für ein Wohnhaus mit 20.000 kWh Wärmebedarf. Gewerbeobjekte und Nichtwohngebäude rechnen wir separat: zur Gewerbe-Seite.

01 · Die Ausgangslage 2026

Die Wahl ist frei. Die Kosten sind es nicht.

Mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz, seit dem 29. Juli 2026 in Kraft, ist die 65-Prozent-Pflicht entfallen und die Entscheidung wieder offen (Details: Heizungsgesetz 2026). Genau deshalb lohnt jetzt der Blick auf die Zahlen, denn die beiden Systeme altern wirtschaftlich sehr unterschiedlich:

  • Gas wird planmäßig teurer: CO2-Preis 2026 im Versteigerungskorridor 55 bis 65 Euro je Tonne (das sind bereits rund 1,1 bis 1,3 Cent je kWh Aufschlag), ab 2028 voraussichtlich der EU-Emissionshandel ETS2 mit Instituts-Schätzungen von 120 bis über 200 Euro je Tonne. Dazu die Bio-Treppe für neue Geräte: ab 2029 zunächst 10, bis 2040 dann 60 Prozent Biobrennstoffe mit heute unkalkulierbaren Preisen.
  • Strom für Wärmepumpen ist strukturell im Vorteil: Wärmepumpentarife lagen Mitte 2026 im Schnitt bei rund 20,7 Cent je Kilowattstunde Arbeitspreis (separater Zähler vorausgesetzt), Haushaltsstrom bei 37,0 Cent (BDEW, August 2026). Rechnen Sie den Grundpreis des zweiten Zählers mit, schrumpft der Abstand deutlich. Aus 1 kWh Strom macht eine Bestands-Wärmepumpe im Feldtest-Schnitt 3,4 kWh Wärme.
  • Die Förderlücke ist massiv: Wärmepumpe bis 22.400 Euro KfW-Zuschuss, Gasheizung null.
02 · Die Beispielrechnung

Ein Haus, zwei Systeme, offene Annahmen

Beispielhaus: Bestand, 20.000 kWh Wärmebedarf im Jahr. Alle Annahmen stehen dabei, damit Sie sie für Ihr Haus anpassen können. Es ist eine Orientierung, kein Angebot.

Jährliche Energie- und Nebenkosten · Beispielhaus 20.000 kWh · Stand Juli 2026
PositionGasheizungWärmepumpe
Energiebedarf20.000 kWh Gasca. 5.900 kWh Strom (JAZ 3,4)
Energiepreis (Quelle Verivox, Juli 2026)ca. 10,5 ct/kWhca. 20,7 ct/kWh (WP-Tarif)
Energiekosten/Jahrca. 2.100 €ca. 1.220 €
Wartung, Schornsteinfeger bzw. Zählerca. 200 bis 350 €ca. 210 bis 420 €
CO2-Preis-Risikosteigend (ETS2 ab 2028)entfällt

JAZ 3,4 = Durchschnitt des Fraunhofer-ISE-Feldtests für Luft-Wärmepumpen in Bestandsgebäuden (77 Anlagen, Spanne 2,6 bis 4,9). Preise sind Momentaufnahmen mit Quellen-Datum und regional unterschiedlich.

Bei der Anschaffung dreht sich das Bild zunächst: Eine neue Gas-Brennwertheizung kostet im typischen Einfamilienhaus rund 9.000 bis 12.500 Euro, eine Luft-Wärmepumpe laut Angebotsauswertung der Verbraucherzentrale im Schnitt rund 36.400 Euro vor Förderung. Nach KfW-Zuschuss (30 bis 80 Prozent auf maximal 28.000 Euro, Rechner hier) schrumpft der Eigenanteil auf 14.000 bis 28.000 Euro, im Standardfall auf rund 23.500 Euro. Gegenüber der Gasheizung bleibt damit eine Mehrinvestition von grob 11.000 bis 14.500 Euro. Der Betriebskostenvorteil von 700 bis 900 Euro pro Jahr gleicht sie nach etwa 12 bis 21 Jahren aus, künftige CO2-Preisschritte noch nicht eingerechnet.

Der wichtigste Kostenhebel ist nicht das System, sondern das Angebot: Die Verbraucherzentrale fand bei baugleichen Häusern Preisunterschiede von bis zu 300 Prozent für Wärmepumpen. Mehrere Angebote einholen und neutral prüfen lassen spart mehr als jede Tarifoptimierung.

03 · Der unbequeme Abschnitt

Wann die Gasheizung (noch) rational ist

Diesen Teil finden Sie in Verkaufsratgebern selten, er gehört aber zu jeder ehrlichen Beratung. Deckungsgleich mit der Linie der Verbraucherzentralen gilt:

  • Ihr Wärmeplan sieht ein Wärmenetz vor: Wenn für Ihre Straße ein Fernwärmeausbau absehbar ist, kann Abwarten klug sein. Aber mit offenen Augen: Bei Fernwärme gibt es keinen Anbieterwechsel, Preis und Anschlusskosten vorab prüfen. Den vollständigen Vergleich finden Sie im Ratgeber Fernwärme oder Wärmepumpe.
  • Die Heizung funktioniert noch: Ein intaktes Gerät überstürzt zu tauschen, ist selten wirtschaftlich. Reparieren bleibt erlaubt, der Bestandsbetrieb ist unbefristet zulässig.
  • Havarie plus knappes Budget: Wenn es schnell und günstig gehen muss, ist eine Reparatur oder ein Gasgerät als Brückenlösung zulässig und manchmal die einzig realistische Option.
  • Sehr hohe Vorlauftemperaturen ohne Sanierungsoption: Der Einzelfall existiert, ist aber seltener als behauptet. Ob Ihr Haus dazugehört, klärt der 55-Grad-Test im Altbau-Ratgeber, nicht das Bauchgefühl.

Gegenzurechnen sind in allen Fällen die strukturellen Risiken des Gasbetriebs: steigende CO2-Kosten und perspektivisch steigende Netzentgelte, wenn immer weniger Haushalte am Gasnetz hängen. Letzteres ist der Richtung nach belegt, seriös bezifferbar je Netzgebiet aber noch nicht.

Häufige Fragen zum Vergleich

Ist die Gasheizung ab 2026 verboten?
Nein. Mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz ist seit dem 29. Juli 2026 sogar die 65-Prozent-Pflicht entfallen. Neue Gasheizungen müssen aber ab 2029 steigende Biobrennstoff-Anteile nutzen (10 bis 60 Prozent bis 2040), und Bestandsgeräte dürfen unbefristet weiterlaufen.
Was kostet der CO2-Preis konkret beim Gas?
2026 liegt er im Versteigerungskorridor von 55 bis 65 Euro je Tonne; die Verbraucherzentrale beziffert die Mehrkosten eines Gas-Einfamilienhauses mit 20.000 kWh auf rund 260 bis 310 Euro im Jahr. Faustformel: 100 Euro je Tonne entsprechen etwa 2 Cent je kWh Gas.
Schafft die Wärmepumpe mein Haus überhaupt ohne Komplettsanierung?
Meist ja: Der Fraunhofer-Feldtest mit 77 Bestandsanlagen (Baujahre 1826 bis 2001) ergab im Schnitt Jahresarbeitszahlen von 3,4 (Luft) und 4,3 (Erdreich), ohne Sanierung auf Neubaustandard. Ob Ihr Haus passt, zeigt der 55-Grad-Test.
Sollte ich auf die Fernwärme warten?
Nur wenn der kommunale Wärmeplan für Ihre Adresse tatsächlich ein Netz vorsieht und der Zeithorizont zu Ihrer Heizung passt. Wärmepläne sind keine Ausbaugarantie, und als Fernwärmekunde können Sie den Anbieter nicht wechseln. Wir prüfen das adressgenau mit Ihnen.
Bekomme ich für eine neue Gasheizung Förderung?
Nein, für neue Gasheizungen gibt es keine staatliche Förderung. Die Wärmepumpe erhält seit dem 21. Juli 2026 je nach Einkommen 30 bis 80 Prozent Zuschuss auf maximal 28.000 Euro förderfähige Kosten.
Vor Ort

Was sich an der Rechnung vor Ort verschiebt

Die Rechnung oben ist bewusst ortsunabhängig gehalten. Wie stark Wärmeplanung und Gebäudebestand das Ergebnis verschieben, zeigen Beispiele aus Städten, in denen wir arbeiten:

Braunschweig. Fernwärme deckte im Basisjahr 2021 rund 29 Prozent des Wärmeverbrauchs, und außerhalb der Wärmenetz- und Prüfgebiete sieht der Wärmeplan die Versorgung auf Gebäudeebene vor. Ob Ihre Adresse im Netzgebiet liegt, entscheidet die Rechnung, bevor sie beginnt. Zuständigkeit, Förderung und Wärmeplanung mit Quelle und Stand: Fachberatung Braunschweig.

Celle. 84,8 Prozent der Wohngebäude sind Ein- oder Zweifamilienhäuser, und ein stadtweites Fernwärmenetz gibt es nicht: Dort läuft die Entscheidung fast immer auf genau diesen Vergleich hinaus. Zuständigkeit, Förderung und Wärmeplanung mit Quelle und Stand: Fachberatung Celle.

Laatzen. Der Wärmeplan, vorgestellt im August 2025, benennt Alt-Laatzen, Laatzen-Mitte, Grasdorf und Rethen als netzgeeignet; außerhalb dieser Quartiere fällt die Entscheidung am Gebäude, und die proKlima-Förderung senkt die Wärmepumpen-Seite der Rechnung. Zuständigkeit, Förderung und Wärmeplanung mit Quelle und Stand: Fachberatung Laatzen.

Langenhagen. Ein beschlossener Wärmeplan war zum Abruf im August 2026 nicht veröffentlicht: Wer dort heute entscheidet, entscheidet am Gebäude, und die proKlima-Frist für das Förderjahr 2026 endet am 31. Oktober. Zuständigkeit, Förderung und Wärmeplanung mit Quelle und Stand: Fachberatung Langenhagen.

Garbsen. Der Wärmeplan-Entwurf lag öffentlich aus, beschlossen war er im August 2026 noch nicht, die gesetzliche Frist läuft bis Ende 2026. Städtisch bezuschusst Garbsen Speicher und Photovoltaik; einen kommunalen Wärmepumpen-Zuschuss gibt es nicht. Zuständigkeit, Förderung und Wärmeplanung mit Quelle und Stand: Fachberatung Garbsen.

Isernhagen. Grundversorger ist die kommunale EWI, die Netze betreibt Avacon; die gesetzliche Wärmeplan-Frist läuft erst Mitte 2028 aus, ein Wärmenetz-Flächenausbau steht nicht an: Entschieden wird am Gebäude. Zuständigkeit, Förderung und Wärmeplanung mit Quelle und Stand: Fachberatung Isernhagen.

Burgwedel. In Großburgwedel entsteht das erste niedersächsische Geothermie-Nahwärmenetz mit erster Wärmelieferung geplant ab Oktober 2027: Wer im Versorgungsgebiet wohnt, sollte das Anschlussangebot in den Vergleich aufnehmen; im übrigen Stadtgebiet fällt die Entscheidung am Gebäude. Zuständigkeit, Förderung und Wärmeplanung mit Quelle und Stand: Fachberatung Burgwedel.

Was heißt das für Ihr Gebäude?

Wir rechnen Ihre Situation unverbindlich durch: Vollkosten beider Systeme, Förderung, Wärmeplan-Check für Ihre Adresse. Und wenn die Gasheizung für Sie rational ist, sagen wir auch das.

Wirtschaftlichkeit für mein Gebäude prüfen

Grundlagen: CO2-Preiskorridor und Mehrkosten-Tabelle laut DEHSt; CO2-Kostenbeispiele der Verbraucherzentrale (Stand 06.01.2026); Energiepreise laut Verivox (Gas und Wärmepumpenstrom, Juli 2026, Momentaufnahmen); Jahresarbeitszahlen aus dem Feldtest des Fraunhofer ISE (77 Anlagen, Presseinformation 11/2025); Investitionsspannen laut Angebotsauswertung der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz (160 Angebote); Förderkonditionen laut KfW (Zuschuss 458, Stand 21.07.2026); Rechtsrahmen: Gebäudemodernisierungsgesetz, beschlossen am 10.07.2026, in Kraft seit dem 29.07.2026.

Alle Angaben nach bestem Wissen, Stand 31. August 2026, ohne Gewähr; keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Beispielrechnungen sind Orientierungen mit offengelegten Annahmen, keine Angebote oder Einsparzusagen; Preise ändern sich laufend und regional. ETS2-Preisangaben sind gekennzeichnete Prognosen Dritter. Die VAN DER RHEEDE Renewables ist eine herstellerneutrale Fachberatung und Vermittlung; die Umsetzung erfolgt durch qualifizierte Fachpartner.