Systemvergleich · Vollkosten · Ohne Verkaufsinteresse

Wärmepumpe oder Gasheizung? Die ehrliche Rechnung.

Fast jeder, der diesen Vergleich veröffentlicht, verkauft eine der beiden Heizungen. Wir nicht. Deshalb finden Sie hier beides: die nüchterne Vollkostenrechnung über 20 Jahre und den Abschnitt, den Verkäufer weglassen, nämlich wann die Gasheizung (noch) die rationale Wahl ist.

  • Beispielrechnung offen gelegt
  • CO2-Preis eingerechnet
  • Auch Pro-Gas-Fälle
Stand: 24. Juli 2026 · Preise mit Quellen-Datum, Förderstand 21.07.2026
01 · Die Ausgangslage 2026

Die Wahl ist frei. Die Kosten sind es nicht.

Mit dem am 10. Juli 2026 beschlossenen Gebäudemodernisierungsgesetz entfällt die 65-Prozent-Pflicht, die Entscheidung ist wieder offen (Details: Heizungsgesetz 2026). Genau deshalb lohnt jetzt der Blick auf die Zahlen, denn die beiden Systeme altern wirtschaftlich sehr unterschiedlich:

  • Gas wird planmäßig teurer: CO2-Preis 2026 im Versteigerungskorridor 55 bis 65 Euro je Tonne (das sind bereits rund 1,1 bis 1,3 Cent je kWh Aufschlag), ab 2028 voraussichtlich der EU-Emissionshandel ETS2 mit Instituts-Schätzungen von 120 bis über 200 Euro je Tonne. Dazu die Bio-Treppe für neue Geräte: ab 2029 zunächst 10, bis 2040 dann 60 Prozent Biobrennstoffe mit heute unkalkulierbaren Preisen.
  • Strom für Wärmepumpen ist strukturell im Vorteil: Wärmepumpentarife lagen Mitte 2026 im Schnitt bei rund 20,7 Cent je kWh (separater Zähler vorausgesetzt), Haushaltsstrom bei rund 31 Cent. Aus 1 kWh Strom macht eine Bestands-Wärmepumpe im Feldtest-Schnitt 3,4 kWh Wärme.
  • Die Förderlücke ist massiv: Wärmepumpe bis 22.400 Euro KfW-Zuschuss, Gasheizung null.
02 · Die Beispielrechnung

Ein Haus, zwei Systeme, offene Annahmen

Beispielhaus: Bestand, 20.000 kWh Wärmebedarf im Jahr. Alle Annahmen stehen dabei, damit Sie sie für Ihr Haus anpassen können. Es ist eine Orientierung, kein Angebot.

Jährliche Energie- und Nebenkosten · Beispielhaus 20.000 kWh · Stand Juli 2026
PositionGasheizungWärmepumpe
Energiebedarf20.000 kWh Gasca. 5.900 kWh Strom (JAZ 3,4)
Energiepreis (Quelle Verivox, Juli 2026)ca. 10,5 ct/kWhca. 20,7 ct/kWh (WP-Tarif)
Energiekosten/Jahrca. 2.100 €ca. 1.220 €
Wartung, Schornsteinfeger bzw. Zählerca. 200 bis 350 €ca. 210 bis 420 €
CO2-Preis-Risikosteigend (ETS2 ab 2028)entfällt

JAZ 3,4 = Durchschnitt des Fraunhofer-ISE-Feldtests für Luft-Wärmepumpen in Bestandsgebäuden (77 Anlagen, Spanne 2,6 bis 4,9). Preise sind Momentaufnahmen mit Quellen-Datum und regional unterschiedlich.

Bei der Anschaffung dreht sich das Bild zunächst: Eine neue Gas-Brennwertheizung kostet im typischen Einfamilienhaus rund 9.000 bis 12.500 Euro, eine Luft-Wärmepumpe laut Angebotsauswertung der Verbraucherzentrale im Schnitt rund 36.400 Euro vor Förderung. Nach KfW-Zuschuss (30 bis 80 Prozent auf maximal 28.000 Euro, Rechner hier) schrumpft der Eigenanteil je nach Einkommen auf etwa 7.600 bis 17.100 Euro. Die Differenz zur Gasheizung holt der Betriebskostenvorteil von grob 700 bis 900 Euro pro Jahr über die Laufzeit vielfach wieder herein, und zwar bevor künftige CO2-Preisschritte eingerechnet sind.

Der wichtigste Kostenhebel ist nicht das System, sondern das Angebot: Die Verbraucherzentrale fand bei baugleichen Häusern Preisunterschiede von bis zu 300 Prozent für Wärmepumpen. Mehrere Angebote einholen und neutral prüfen lassen spart mehr als jede Tarifoptimierung.

03 · Der unbequeme Abschnitt

Wann die Gasheizung (noch) rational ist

Diesen Teil finden Sie in Verkaufsratgebern selten, er gehört aber zu jeder ehrlichen Beratung. Deckungsgleich mit der Linie der Verbraucherzentralen gilt:

  • Ihr Wärmeplan sieht ein Wärmenetz vor: Wenn für Ihre Straße ein Fernwärmeausbau absehbar ist, kann Abwarten klug sein. Aber mit offenen Augen: Bei Fernwärme gibt es keinen Anbieterwechsel, Preis und Anschlusskosten vorab prüfen. Den vollständigen Vergleich finden Sie im Ratgeber Fernwärme oder Wärmepumpe.
  • Die Heizung funktioniert noch: Ein intaktes Gerät überstürzt zu tauschen, ist selten wirtschaftlich. Reparieren bleibt erlaubt, der Bestandsbetrieb ist unbefristet zulässig.
  • Havarie plus knappes Budget: Wenn es schnell und günstig gehen muss, ist eine Reparatur oder ein Gasgerät als Brückenlösung zulässig und manchmal die einzig realistische Option.
  • Sehr hohe Vorlauftemperaturen ohne Sanierungsoption: Der Einzelfall existiert, ist aber seltener als behauptet. Ob Ihr Haus dazugehört, klärt der 55-Grad-Test im Altbau-Ratgeber, nicht das Bauchgefühl.

Gegenzurechnen sind in allen Fällen die strukturellen Risiken des Gasbetriebs: steigende CO2-Kosten und perspektivisch steigende Netzentgelte, wenn immer weniger Haushalte am Gasnetz hängen. Letzteres ist der Richtung nach belegt, seriös bezifferbar je Netzgebiet aber noch nicht.

Häufige Fragen zum Vergleich

Ist die Gasheizung ab 2026 verboten?
Nein. Mit dem beschlossenen Gebäudemodernisierungsgesetz entfällt sogar die 65-Prozent-Pflicht. Neue Gasheizungen müssen aber ab 2029 steigende Biobrennstoff-Anteile nutzen (10 bis 60 Prozent bis 2040), und Bestandsgeräte dürfen unbefristet weiterlaufen.
Was kostet der CO2-Preis konkret beim Gas?
2026 liegt er im Versteigerungskorridor von 55 bis 65 Euro je Tonne; die Verbraucherzentrale beziffert die Mehrkosten eines Gas-Einfamilienhauses mit 20.000 kWh auf rund 260 bis 310 Euro im Jahr. Faustformel: 100 Euro je Tonne entsprechen etwa 2 Cent je kWh Gas.
Schafft die Wärmepumpe mein Haus überhaupt ohne Komplettsanierung?
Meist ja: Der Fraunhofer-Feldtest mit 77 Bestandsanlagen (Baujahre 1826 bis 2001) ergab im Schnitt Jahresarbeitszahlen von 3,4 (Luft) und 4,3 (Erdreich), ohne Sanierung auf Neubaustandard. Ob Ihr Haus passt, zeigt der 55-Grad-Test.
Sollte ich auf die Fernwärme warten?
Nur wenn der kommunale Wärmeplan für Ihre Adresse tatsächlich ein Netz vorsieht und der Zeithorizont zu Ihrer Heizung passt. Wärmepläne sind keine Ausbaugarantie, und als Fernwärmekunde können Sie den Anbieter nicht wechseln. Wir prüfen das adressgenau mit Ihnen.
Bekomme ich für eine neue Gasheizung Förderung?
Nein, für neue Gasheizungen gibt es keine staatliche Förderung. Die Wärmepumpe erhält seit dem 21. Juli 2026 je nach Einkommen 30 bis 80 Prozent Zuschuss auf maximal 28.000 Euro förderfähige Kosten.

Welche Rechnung gilt für Ihr Haus?

Wir rechnen Ihre Situation kostenlos durch: Vollkosten beider Systeme, Förderung, Wärmeplan-Check für Ihre Adresse. Und wenn die Gasheizung für Sie rational ist, sagen wir auch das.

Projekt kostenlos einordnen lassen

Grundlagen: CO2-Preiskorridor und Mehrkosten-Tabelle laut DEHSt; CO2-Kostenbeispiele der Verbraucherzentrale (Stand 06.01.2026); Energiepreise laut Verivox (Gas und Wärmepumpenstrom, Juli 2026, Momentaufnahmen); Jahresarbeitszahlen aus dem Feldtest des Fraunhofer ISE (77 Anlagen, Presseinformation 11/2025); Investitionsspannen laut Angebotsauswertung der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz (160 Angebote); Förderkonditionen laut KfW (Zuschuss 458, Stand 21.07.2026); Rechtsrahmen laut Gesetzesbeschluss vom 10.07.2026 (Verkündung ausstehend).

Alle Angaben nach bestem Wissen, Stand 24. Juli 2026, ohne Gewähr; keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Beispielrechnungen sind Orientierungen mit offengelegten Annahmen, keine Angebote oder Einsparzusagen; Preise ändern sich laufend und regional. ETS2-Preisangaben sind gekennzeichnete Prognosen Dritter. Die VAN DER RHEEDE Renewables ist eine herstellerneutrale Fachberatung und Vermittlung; die Umsetzung erfolgt durch qualifizierte Fachpartner.