Altbau · Feldtest-Daten · Eignungs-Check

Wärmepumpe im Altbau: Daten statt Bauchgefühl.

Zwischen Verkäufern, die jedes Haus für geeignet erklären, und Stammtischen, die das Gegenteil wissen, gibt es eine dritte Quelle: Messdaten. Vier Jahre Fraunhofer-Feldtest in 77 Bestandsgebäuden, Baujahre 1826 bis 2001. Hier ist, was sie zeigen, wie Sie Ihr Haus selbst testen und wann wir ehrlich abraten.

  • JAZ 3,4 im Bestand gemessen
  • 55-Grad-Selbsttest
  • Ehrliche Grenzen
Stand: 24. Juli 2026 · Feldtest-Quelle Fraunhofer ISE (11/2025)
01 · Die Datenlage

Was vier Jahre Messung im Bestand wirklich zeigen

Das Fraunhofer ISE hat 77 Wärmepumpen in Ein- bis Dreifamilienhäusern über vier Jahre vermessen, Baujahre 1826 bis 2001, ohne dass die Gebäude auf Neubaustandard saniert waren. Die Ergebnisse räumen mit den drei größten Altbau-Mythen auf:

  • Effizienz: Luftwärmepumpen erreichten im Schnitt die Jahresarbeitszahl 3,4 (Spanne 2,6 bis 4,9), Erdreichwärmepumpen 4,3. Eine Korrelation zwischen Gebäudealter und Effizienz war nicht feststellbar. Das sind Mittelwerte, keine Garantien für den Einzelfall, aber sie sind die belastbare Rechengrundlage.
  • Heizkörper sind kein K.-o.-Kriterium: Ausreichend dimensionierte Heizkörper liefen im Mittel mit ähnlich niedrigen Vorlauftemperaturen wie Flächenheizungen. Die Fußbodenheizung ist angenehm, aber keine Voraussetzung.
  • Der gefürchtete Heizstab spielte kaum eine Rolle: Nur 1,3 Prozent der Stromarbeit bei Luftwärmepumpen entfiel auf den Elektroheizstab, bei Erdreichanlagen praktisch null.

Dazu passt der Markt: 2025 wurden in Deutschland 299.000 Heizungswärmepumpen verkauft, erstmals war die Wärmepumpe das meistverkaufte Heizsystem. Der Bestandsbau ist dabei das eigentliche Wachstumsfeld. Die CO2-Bilanz der vermessenen Bestandsanlagen lag übrigens 64 Prozent unter einer Gasheizung.

02 · Der Selbsttest

Der 55-Grad-Test: Ihr Haus prüft sich selbst

Die wichtigste Eignungsfrage lautet: Wird Ihr Haus auch mit niedrigen Vorlauftemperaturen warm? Das können Sie in der nächsten Heizperiode selbst herausfinden, idealerweise an Tagen um 0 Grad oder kälter:

  • 1. Vorlauftemperatur begrenzen: Am Heizkessel die Vorlauftemperatur auf 50 bis 55 Grad einstellen (Anleitung oder Fachbetrieb hilft).
  • 2. Volle Anforderung: Alle Thermostate auf Stufe 3 (etwa 20 Grad), Nachtabsenkung ausschalten.
  • 3. Ein bis drei Tage beobachten: Werden alle Räume ausreichend warm, ist Ihr Haus grundsätzlich wärmepumpentauglich. Noch besser steht es, wenn bei 0 Grad außen schon 45 Grad Vorlauf reichen.

Bleiben nur einzelne Räume kalt, ist das kein Ausschluss: Altbau-Heizkörper sind oft großzügig überdimensioniert, meist müssen nur zwei bis sechs zu kleine Exemplare gegen größere oder Niedertemperatur-Modelle getauscht werden (grob 300 bis 900 Euro je Heizkörper inklusive Montage, förderfähig als Teil des Heizungstauschs).

Wichtig zur Einordnung: Der 55-Grad-Test ist ein starkes Indiz, kein Ersatz für die Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 und die raumweise Heizflächenprüfung durch Fachleute. Genau diese Prüfkette organisieren wir mit unseren Fachpartnern, bevor irgendjemand ein Gerät bestellt.

03 · Dämmung und Reihenfolge

Erst dämmen oder erst Wärmepumpe?

Die klassische Lehrbuch-Reihenfolge lautet: erst Gebäudehülle, dann Heizung, denn dann kann die Wärmepumpe kleiner ausfallen. Nur ist eine Vollsanierung laut Fraunhofer und Verbraucherzentrale eben keine Voraussetzung, und laut einer co2online-Auswertung ist die Wärmepumpe in rund 60 Prozent der Bestandsgebäude auch ohne zusätzliche Dämmung wirtschaftlich.

Der praktikable Weg: Ein individueller Sanierungsfahrplan legt fest, was wann kommt, und die Heizlast wird auf den Zielzustand gerechnet. Wer in zwei Jahren dämmen will, dimensioniert die Wärmepumpe schon heute dafür. Was zuerst wirtschaftlich ist, hängt am Gebäude, nicht an einer Ideologie. Die Förderung 2026 honoriert den Heizungstausch derzeit mit bis zu 80 Prozent, ihr Kürzungsfahrplan ab Februar 2027 gehört deshalb in jede Reihenfolge-Überlegung.

04 · Die Grenzen

Wann wir im Altbau ehrlich abraten

Es gibt Häuser, in denen die Standard-Luftwärmepumpe (noch) nicht die richtige Antwort ist (alle Nachteile im Überblick: der ehrliche Check). Die Warnzeichen:

  • Der 55-Grad-Test scheitert auch nach hydraulischem Abgleich und Heizkörpertausch. Dann sind Teilsanierung, Erdreichwärmepumpe oder ein Hybridsystem (Wärmepumpe plus Spitzenlastkessel) die besseren Wege.
  • Einrohrheizung im größeren Gebäude: Kein automatisches Aus, laut Branchenverband bis etwa vier Wohneinheiten oft machbar, aber Rohrquerschnitte und Heizkörpergrößen gehören zwingend in eine Einzelfallprüfung durch erfahrene Planer.
  • Komplett ungedämmte Hülle plus sehr hohe Heizlast plus kleine Heizkörper: Hier zuerst die günstigsten Hüllmaßnahmen rechnen, dann die Heizung.
  • Denkmalschutz: Dämmung und Außenaufstellung können eingeschränkt sein. Das ist Landesrecht und Sache der Denkmalbehörde, pauschale Zusagen wären unseriös.

Genau dafür gibt es uns: Wir sagen Ihnen auch dann die Wahrheit, wenn sie lautet: erst zwei Heizkörper tauschen, dann die Wärmepumpe. Oder: in Ihrem Fall lieber ein Hybrid. Wir verkaufen keine Geräte, wir ordnen ein.

Häufige Fragen zur Wärmepumpe im Altbau

Funktioniert eine Wärmepumpe wirklich im Altbau?
Ja, mit Messdaten belegt: 77 Anlagen im Fraunhofer-Feldtest, Baujahre 1826 bis 2001, im Schnitt Jahresarbeitszahl 3,4 (Luft) und 4,3 (Erdreich), ohne Sanierung auf Neubaustandard. Ein Zusammenhang zwischen Gebäudealter und Effizienz war nicht feststellbar.
Brauche ich eine Fußbodenheizung?
Nein. Ausreichend dimensionierte Heizkörper liefen im Feldtest mit ähnlich niedrigen Vorlauftemperaturen wie Flächenheizungen. Entscheidend ist, dass die Vorlauftemperatur möglichst ganzjährig unter 55 Grad bleibt.
Wie teste ich mein Haus selbst?
Mit dem 55-Grad-Test an kalten Wintertagen: Vorlauf auf 50 bis 55 Grad begrenzen, Thermostate auf Stufe 3, Nachtabsenkung aus. Werden nach ein bis drei Tagen alle Räume warm, passt es grundsätzlich. Einzelne kalte Räume löst meist ein größerer Heizkörper.
Muss ich vorher dämmen?
Nicht zwingend: In rund 60 Prozent der Bestandsgebäude ist die Wärmepumpe laut co2online auch ohne Zusatzdämmung wirtschaftlich. Dämmung verbessert aber Effizienz und erlaubt kleinere Anlagen; die Reihenfolge klärt ein individueller Sanierungsfahrplan.
Was kostet der Tausch einzelner Heizkörper?
Grob 300 bis 900 Euro je Heizkörper inklusive Montage, Gebläse-Modelle bis etwa 1.200 Euro. Meist sind nur wenige Stück nötig, und der Tausch ist als Teil des Heizungstauschs förderfähig.
Gibt es 2026 noch Förderung im Altbau?
Ja: 30 Prozent Grundförderung plus 16 Prozent Klimageschwindigkeitsbonus plus einkommensabhängig bis 40 Prozent, gedeckelt bei 70 beziehungsweise 80 Prozent von maximal 28.000 Euro. Die Boni sinken ab Februar 2027 schrittweise, ein früher Antrag lohnt sich.

Ist Ihr Altbau bereit?

Wir ordnen Eignung, Kosten und Förderung für Ihr Gebäude kostenlos ein, inklusive der ehrlichen Antwort, falls es (noch) nicht passt. Herstellerneutral und ohne Verkaufsdruck.

Projekt kostenlos einordnen lassen

Grundlagen: Feldtest-Ergebnisse des Fraunhofer ISE (77 Anlagen in Bestandsgebäuden, Presseinformation 03.11.2025, ise.fraunhofer.de); 55-Grad-Test nach Verbraucherzentrale und Zukunft Altbau; Einrohr-Einordnung laut Bundesverband Wärmepumpe; Wirtschaftlichkeit ohne Zusatzdämmung laut co2online; Absatzzahlen laut BWP; Förderkonditionen laut KfW (Zuschuss 458, Stand 21.07.2026). Preisangaben für Heizkörper sind Marktspannen, Stand Juli 2026.

Alle Angaben nach bestem Wissen, Stand 24. Juli 2026, ohne Gewähr. Jahresarbeitszahlen sind Feldtest-Mittelwerte mit Spannen, keine Zusagen für den Einzelfall; verbindlich sind Heizlastberechnung und Fachplanung. Keine Rechtsberatung, insbesondere nicht zu Denkmalschutzfragen. Die VAN DER RHEEDE Renewables ist eine herstellerneutrale Fachberatung und Vermittlung; die Umsetzung erfolgt durch qualifizierte Fachpartner.