Wer mit Gas heizt, bezahlt zwei Posten, die auf keiner Brennstoffrechnung als eigene Zeile stehen: die CO2-Abgabe und das Netzentgelt für die Leitung bis ins Haus. Beide steigen strukturell, das eine per Gesetz, das andere, weil sich die Netzkosten auf immer weniger Anschlüsse verteilen. Hier ist die Rechnung, die im Verkaufsgespräch fehlt.
Stand: 29. Juli 2026 · Preisblätter 2026, KANU 2.0 seit 01.01.2025, Agora/BET-Studie 04/2023Das Gasnetz kostet fast dasselbe, ob viel oder wenig Gas hindurchfließt: Leitungen, Wartung, Druckregelung, Sicherheit. Diese Fixkosten werden per Netzentgelt auf die Anschlüsse umgelegt. Steigt jedes Jahr die Zahl der Haushalte, die auf Wärmepumpe oder Fernwärme wechseln, verteilen sich dieselben Kosten auf weniger Schultern. Fachleute nennen das die Todesspirale des Gasnetzes: Jeder Abgang macht das Bleiben teurer, und jedes teurere Bleiben macht den nächsten Abgang wahrscheinlicher.
Seit dem 1. Januar 2025 ist das keine ferne Prognose mehr, sondern Regulierungspraxis. Mit der Festlegung KANU 2.0 erlaubt die Bundesnetzagentur den Netzbetreibern, ihre Anlagen bis spätestens 2045 abzuschreiben, in Ausnahmen bis 2035, teils degressiv mit bis zu 12 Prozent. Übersetzt: Die Kosten des Netzes werden vorgezogen und eingesammelt, solange noch viele Kunden zahlen. Deshalb steigen die Entgelte jetzt, nicht erst in zehn Jahren.
Das Netzentgelt macht rund ein Fünftel des Gaspreises aus. Für ein Einfamilienhaus mit 20.000 kWh Wärmebedarf zeigen reale Preisblätter 2026 eine Spanne von etwa 1,98 ct je kWh plus rund 70 Euro Grundpreis (LSW Netz) bis 2,91 ct je kWh (Netze BW). Das ergibt rund 550 bis 780 Euro im Jahr, brutto, allein für die Leitung.
Dazu kommt die CO2-Abgabe: beim selben Haus 287 Euro im Jahr 2026 (Korridormitte 60 Euro je Tonne, Details auf der CO2-Preis-Seite). Zusammen sind das heute schon rund 950 Euro jährlich, bevor die erste Kilowattstunde Gas bezahlt ist.
Die Studie von Agora Energiewende mit der Beratung BET (April 2023) rechnet vor: Ohne geordnete Stilllegung steigen die Gasnetzentgelte bis 2044 auf das Neun- bis Sechzehnfache; aus heute gut 2 Cent je Kilowattstunde können bis 2045 über 20 werden. Über 90 Prozent des heutigen Verteilnetzes werden ab 2045 nicht mehr gebraucht. Die kommunale Wärmeplanung entscheidet, welche Gebiete auf Fernwärme oder dezentrale Lösungen umgestellt werden; dort können Netzabschnitte geordnet stillgelegt werden, dann endet der Anschluss ganz.
Niemand kann seriös sagen, welcher Pfad exakt eintritt. Deshalb rechnen wir unten nicht mit einer Zahl, sondern mit drei Szenarien, vom unrealistisch Konservativen bis zur unteren Kante der Agora-Rechnung.
Beispielhaus mit 20.000 kWh Wärmebedarf, Zeitraum 2026 bis 2045, nur die zwei Nebenposten, ohne einen Cent für das Gas selbst:
| Szenario | Netzentgelt | CO2-Abgabe | Summe |
|---|---|---|---|
| Alles bleibt, wie es 2026 ist | 13.300 € | 5.740 € | 19.040 € |
| Netzentgelt verdoppelt sich bis 2045 | 19.960 € | 11.370 € | 31.330 € |
| Agora-Pfad: das Neunfache bis 2044 | 66.520 € | 11.370 € | 77.890 € |
Netzentgelt: Mittelwert der Preisblatt-Spanne (670 €/Jahr 2026), linear auf den Zielfaktor steigend. CO2: Korridormitte 2026/27, danach moderater Pfad der Studienlage (85/92/100 Euro 2028 bis 2030, dann +4 je Jahr); im eingefrorenen Szenario konstant 60 Euro. Alles nominal, brutto.
Zur Einordnung: Der Eigenanteil einer geförderten Wärmepumpe liegt im Standardfall bei rund 23.500 Euro, mit Einkommensbonus deutlich darunter (Förderseite mit Rechner). Schon im mittleren Szenario zahlen diese zwei Nebenposten die Wärmepumpe also einmal komplett, und der eigentliche Brennstoff ist da noch gar nicht gerechnet. Den vollständigen Vergleich mit Verbrauch, Wartung und Förderung führt die Vollkostenrechnung.
Fair gerechnet: Auch Wärmepumpenstrom trägt Netzentgelte, sie stecken im Strompreis des Vollkostenvergleichs. Der Unterschied ist die Richtung: Das Stromnetz wird gebraucht und von praktisch allen Haushalten getragen. Das Gasnetz verliert bis 2045 planmäßig seine Kunden, seine Kosten tragen immer weniger. Der eine Posten ist kalkulierbar, der andere strukturell steigend.
Es klingt falsch, stimmt aber: Bei den festen Nebenkosten steht der Ölkessel heute besser da als die Gastherme. Öl kommt per Tankwagen, ein Netzentgelt fällt nicht an, und die Todesspirale des Gasnetzes betrifft Ölheizer nicht. Dafür liegt ihre CO2-Abgabe je Kilowattstunde rund ein Drittel höher: 380 gegenüber 287 Euro im Beispielhaus 2026, und jede künftige Preisstufe trifft Öl entsprechend härter, vom schwankenden Ölpreis selbst ganz abgesehen.
Die nüchterne Reihenfolge lautet also: Die Wärmepumpe zahlt keinen der beiden Posten, Öl zahlt einen, Gas zahlt beide, und einer davon hat eine eingebaute Steigung.
Grundlagen: Festlegung KANU 2.0 der Bundesnetzagentur (Pressemitteilung 25.09.2024, wirksam 01.01.2025); Agora Energiewende / BET / Rosin Büdenbender, "Ein neuer Ordnungsrahmen für Erdgasverteilnetze" (April 2023): Anstieg auf das 9- bis 16-Fache bis 2044, über 90 Prozent des Verteilnetzes ab 2045 ohne Verwendung; Netzentgelt-Preisblätter 2026 von LSW Netz und Netze BW; Gaspreiszusammensetzung laut evm (Netzanteil rund 19 Prozent); CO2-Werte wie auf unserer CO2-Preis-Seite (EBeV-Faktoren, BEHG-Korridor, DEHSt).
Wir ordnen Wärmeplan, Netzlage und Ihre Alternativen unverbindlich ein, inklusive der ehrlichen Antwort, wenn Bleiben vorerst die bessere Wahl ist. Herstellerneutral und ohne Verkaufsdruck.
Projekt einordnen lassen →Die Szenarien sind Modellrechnungen auf Basis der genannten Quellen und ersetzen keine Prüfung des Einzelfalls; regionale Netzentgelte weichen ab. Die VAN DER RHEEDE Renewables ist eine Fachberatung und Vermittlung. Wir verkaufen keine Anlagen und übernehmen keine handwerkliche Ausführung; die Umsetzung erfolgt durch qualifizierte Fachpartner. Der Anlagenvertrag kommt direkt zwischen Ihnen und dem ausführenden Fachbetrieb zustande.