Was eine Wärmepumpe wirklich an Strom braucht.
Herstellerneutrale Entscheidungs- und Projektberatung. Wir verkaufen keine Anlagen: wir prüfen, strukturieren und bringen Ihr Projekt mit dem passenden Fachbetrieb zusammen.
Die meisten Verbrauchsangaben stammen aus Prospekten. Wir rechnen mit gemessenen Werten: Das Fraunhofer ISE hat 77 Wärmepumpen im Gebäudebestand vier Jahre lang vermessen. Diese Zahlen sind die ehrlichere Grundlage, und sie liegen niedriger, als Hersteller versprechen.
Heizenergie geteilt durch Jahresarbeitszahl
Sie brauchen nur zwei Zahlen. Erstens Ihren bisherigen Heizenergieverbrauch: Bei Gas steht er in Kilowattstunden auf der Abrechnung, bei Öl multiplizieren Sie die Liter mit 10. Zweitens die erwartete Jahresarbeitszahl, also das Verhältnis von erzeugter Wärme zu eingesetztem Strom.
Heizenergie in kWh geteilt durch die Jahresarbeitszahl ergibt den Stromverbrauch. Beispiel: 16.000 kWh Gas und eine Jahresarbeitszahl von 3,4 ergeben rund 4.700 kWh Strom im Jahr. Wichtig ist nur, welche Jahresarbeitszahl Sie einsetzen, und genau da liegt der Fehler in den meisten Rechnungen.
3,4 im Bestand, mit großer Streuung
Das Fraunhofer ISE hat im Projekt „WP-QS im Bestand“ 77 Anlagen über vier Jahre vermessen, überwiegend in Gebäuden mit Baujahr bis 1978. Für Luft-Wasser-Wärmepumpen ergab sich (49 ausgewertete Anlagen):
- Mittelwert 3,4, Median 3,3.
- Spanne 2,6 bis 4,9, wobei der obere Wert ein statistischer Ausreißer ist.
- Die mittlere Hälfte der Anlagen liegt zwischen 3,0 und 3,7.
- Erdreich-Wärmepumpen kamen im Mittel auf 4,3 (Spanne 3,6 bis 5,4).
Bemerkenswert ist ein Befund, der eine verbreitete Sorge entkräftet: Zwischen Baualter und Effizienz fand sich kein Zusammenhang. Auch ausreichend dimensionierte Heizkörper ließen sich im Mittel mit ähnlich niedrigen Temperaturen betreiben wie Flächenheizungen. Ein Altbau mit Heizkörpern ist also kein Ausschlusskriterium; entscheidend ist die Temperatur, mit der das Haus auskommt.
Warum Ihre Rechnung rund 15 Prozent zu niedrig ausfällt
Die üblichen Jahresarbeitszahlen beziehen sich auf den Wärmeerzeuger, gemessen vor dem Speicher. Was danach passiert, fehlt darin: Speicherverluste und, vor allem, die Trinkwarmwasser-Zirkulation. In derselben Studie lag die Systemarbeitszahl im Schnitt rund 15 Prozent unter der Erzeugerarbeitszahl, konkret 3,1 statt 3,6 bei 36 Anlagen.
Der Treiber ist nicht die Pumpe, sondern der Speicher: Zwischen Beladung und Zapfung gingen im Mittel 59 Prozent verloren, die gemessenen Zirkulationsverluste lagen bei 32 Prozent der zugeführten Wärme. Wer also mit 3,4 rechnet, sollte auf das Ergebnis noch einmal gut zehn bis fünfzehn Prozent aufschlagen, sonst plant er die Stromrechnung zu klein.
Ein typisches Haus, durchgerechnet
Im Messprogramm lag der spezifische Verbrauch für Raumheizung und Trinkwasser zusammen bei einem Median von 97 Kilowattstunden je Quadratmeter und Jahr (Spanne 32 bis 200), die Häuser hatten im Median 170 Quadratmeter. Daraus:
- Wärmebedarf: 97 kWh/m² mal 170 m² ergibt rund 16.500 kWh im Jahr.
- Strom bei Jahresarbeitszahl 3,4: rund 4.850 kWh.
- Mit Systemverlusten gerechnet: rund 5.700 kWh.
Die Spanne von 32 bis 200 kWh je Quadratmeter zeigt zugleich, warum Pauschalzahlen wenig taugen: Zwischen dem sparsamsten und dem durstigsten Haus im Feld liegt der Faktor sechs. Ihre Zahl entsteht erst aus Ihrem Verbrauch und Ihrem Gebäude, deshalb ist die Heizlastberechnung Teil der seriösen Planung. Mehr dazu unter Heizlast und hydraulischer Abgleich.
Jedes Grad Vorlauftemperatur zählt
Der wichtigste Stellhebel ist gemessen, nicht behauptet. Anlagen mit einer mittleren Heizkreistemperatur unter 35 Grad erreichten eine Jahresarbeitszahl von 3,7, Anlagen über 35 Grad nur 3,0 im Median. Das sind rund 0,7 Punkte Unterschied bei etwa 8 Kelvin. Als Faustzahl gilt: je Grad höherer Vorlauftemperatur rund 1,5 bis 2 Prozent mehr Strom.
Für effizienten Betrieb wird eine maximale Vorlauftemperatur von 55 Grad empfohlen; dieselbe Schwelle nutzt die Verbraucherzentrale als Eignungs-Faustregel, und die proKlima-Förderung in Hannover verlangt sie für Ein- und Zweifamilienhäuser sogar als Auslegungswert. Häufig genügen wenige größere Heizkörper, um den ganzen Kreis absenken zu können, denn die schwächste Heizfläche bestimmt die nötige Temperatur für alle.
Der Elektroheizstab ist übrigens selten der Schuldige: Er machte im Mittel nur 1,3 Prozent der elektrischen Arbeit aus. In Einzelfällen, bei falscher Einstellung, waren es allerdings 16,9 Prozent, und die Jahresarbeitszahl fiel von 4,5 auf 3,7.
Beim Tarif zählen Vollkosten, nicht der Arbeitspreis
Haushaltsstrom kostet 2026 im Schnitt 37,0 Cent je Kilowattstunde. Wärmepumpentarife werben mit deutlich weniger: Bei separatem Zähler lag der Arbeitspreis in einer Erhebung der Verbraucherzentrale NRW im Mittel bei 24 Cent (Spanne 20 bis 29), allerdings bei rund 140 Euro Grundpreis im Jahr.
Der übliche Vergleich ist unsauber: „24 statt 37 Cent“ stellt einen Arbeitspreis den Vollkosten gegenüber. Rechnet man ehrlich mit Grundpreis, schrumpft der Vorteil bei kleinen Verbräuchen dramatisch: In der Vergleichsrechnung des Fraunhofer ISE lag der neue Wärmepumpentarif bei 3.500 Kilowattstunden nur rund 1 Cent unter dem Haushaltstarif und sogar über dem alten Wärmepumpentarif. Der zweite Zähler kostet, was der Netzentgeltrabatt einbringt. Je höher Ihr Verbrauch, desto eher trägt sich der eigene Tarif.
In Hannover lässt sich das genau beziffern, weil enercity Netz die Entgelte veröffentlicht: Mit separater Messung (Modul 2) entfallen der Grundpreis von 53 Euro und es gilt ein Arbeitspreis von 3,42 statt 8,54 Cent je Kilowattstunde. Gerechnet sind das bei 5.000 Kilowattstunden rund 310 Euro netto Ersparnis im Jahr gegenüber dem Standardentgelt, denen die Kosten des zweiten Zählers gegenüberstehen. Wer zusätzlich zeitvariabel abrechnet (Modul 3), zahlt zwischen 16:30 und 20:15 Uhr deutlich mehr und nachts fast nichts.
Grundlagen: Fraunhofer ISE, „Wärmepumpen in Bestandsgebäuden: Abschlussbericht des Projekts WP-QS im Bestand“ (Stand 25.11.2025, Laufzeit 12/2019 bis 12/2024, 77 Anlagen), Jahresarbeitszahlen S. 75, Systemarbeitszahl S. 5 und 82, spezifische Verbräuche S. 34 f., Heizstab S. 74, Tarifvergleich S. 172 ff.; Rechenweg nach Verbraucherzentrale (Stand 14.04. und 17.04.2026); Faustzahl zur Vorlauftemperatur und 55-Grad-Empfehlung nach Gebäudeforum der Deutschen Energie-Agentur (dena) (Stand Mai 2026); Haushaltsstrompreis nach BDEW-Strompreisanalyse (Stand 08/2026); Wärmepumpentarife nach Verbraucherzentrale NRW, Marktcheck (veröffentlicht 20.02.2026, Erhebung 08/2025); Netzentgelte nach Preisblatt enercity Netz, gültig ab 01.01.2026, Preise zuzüglich Umsatzsteuer. Die Ersparnisrechnung für Hannover ist unsere Rechnung aus diesem Preisblatt. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand 30. August 2026.
Häufige Fragen zum Stromverbrauch
Wie berechne ich den Stromverbrauch einer Wärmepumpe?
Welche Jahresarbeitszahl erreichen Wärmepumpen im Bestand wirklich?
Wie stark beeinflusst die Vorlauftemperatur den Stromverbrauch?
Lohnt sich ein spezieller Wärmepumpentarif?
Was braucht Ihr Haus wirklich?
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