Wärmepumpe plus Photovoltaik: stark, aber kein Perpetuum mobile.
Die Kombination ist unser Kernthema, und fast alle, die darüber schreiben, wollen Ihnen eine der beiden Anlagen verkaufen. Deshalb hier die Zahlen, die im Verkaufsgespräch fehlen: realistische Deckungsgrade, ehrliche Speicher-Physik und die Reihenfolge-Kriterien, die wirklich zählen.
Stand: 24. Juli 2026 · Quellen: Fraunhofer ISE, HTW Berlin, VerbraucherzentraleWie viel Solarstrom die Wärmepumpe wirklich nutzt
Die unbequeme Physik zuerst: Die Wärmepumpe braucht den meisten Strom im Winter, die PV liefert am meisten im Sommer. Kein Heimspeicher der Welt verschiebt Strom über Monate. Was realistisch bleibt, ist trotzdem beachtlich:
- Ohne Speicher: Eine typische PV-Anlage deckt laut Verbraucherzentrale etwa 20 bis 30 Prozent des Jahresstrombedarfs von Haushalt plus Wärmepumpe. Der Fraunhofer-Feldtest maß Autarkiegrade von 25 bis 40 Prozent.
- Mit Speicher: Rund 40 Prozent Deckung sind typisch, im Fraunhofer-Feldtest bis 62 Prozent Autarkie und bis 83 Prozent Eigenverbrauchsquote in günstigen Konstellationen.
- Voll elektrifiziert: Haushalte mit PV, Speicher, Wärmepumpe und E-Auto erreichten in einer HTW-Berlin-Auswertung von 730 realen Haushalten im Schnitt 59 Prozent solare Deckung, wohlgemerkt für den Gesamthaushalt, nicht die Wärmepumpe allein.
Warum es sich trotzdem rechnet: Jede selbst genutzte Kilowattstunde ersetzt Netzstrom für rund 31 Cent (oder 20 bis 26 Cent im Wärmepumpentarif), während die Einspeisung nur 7,78 Cent bringt (aktuelle Sätze). Der Wert der Kombination entsteht im Eigenverbrauch, nicht in der Autarkie-Romantik. Eine E.ON/RWTH-Analyse sieht Wärmepumpe plus PV meist nach 11 bis 14 Jahren günstiger als eine Gasheizung, als Studienergebnis mit eigenen Annahmen.
Faustregeln, die vor Fehlkäufen schützen
- PV-Größe: 1,5 bis 2 kWp je 1.000 kWh Jahresstromverbrauch inklusive Wärmepumpe; 1 kWp liefert hierzulande rund 1.000 kWh im Jahr. Beispiel: 3.500 kWh Haushalt plus 5.000 kWh Wärmepumpe ergeben meist 10 kWp oder mehr, sofern das Dach es hergibt.
- Speicher: Etwa 1 bis 1,5 kWh Kapazität je 1.000 kWh Jahresverbrauch, als Maß gilt der Strombedarf einer Nacht. Überdimensionierung schadet Wirtschaftlichkeit und Lebensdauer.
- Die Wärmepumpe selbst wird nach der Heizlast dimensioniert, nicht nach der PV. Eine RWTH-Studie bestätigt: Die PV-Anlage hat kaum Einfluss auf die optimale Wärmepumpengröße. Wer die Wärmepumpe größer kauft, damit sie zur PV passt, plant falsch herum.
- SG-Ready realistisch sehen: Die Schnittstelle hebt bei PV-Überschuss die Speichertemperatur an, schaltet aber meist nur ein und aus. Auswertungen deuten auf wenige Prozentpunkte mehr Autarkie. Mitnehmen ja (kostet wenig, oft Fördervoraussetzung), Wunder erwarten nein.
Ein neutrales Rechen-Werkzeug für Ihre eigene Konstellation ist der Unabhängigkeitsrechner der HTW Berlin; verbindlich wird es mit Heizlastberechnung und Dachaufmaß durch Fachleute.
Was zuerst? Kriterien statt Dogma.
Auf die Frage Wärmepumpe oder PV zuerst gibt es keine pauschale Antwort, aber fünf sachliche Kriterien:
- Heizung alt oder defekt: Wärmepumpe zuerst. Der Klimageschwindigkeitsbonus der KfW-Förderung sinkt ab Februar 2027 halbjährlich, Warten kostet planmäßig Geld.
- Dachsanierung fällig: Erst das Dach, dann die PV. In Niedersachsen löst die Dachsanierung ab 50 m² ohnehin die Solarpflicht aus.
- Vergütungs-Timing: Eine PV-Inbetriebnahme bis Ende 2026 sichert nach heutigem Rechtsstand die Festvergütung für 20 Jahre; für 2027 ist ein Systemwechsel im Gesetzgebungsverfahren (Details: EEG-Ausblick).
- Elektrik einmal statt zweimal: Zählerschrank, Netzanschluss und Steuerbarkeit nach Paragraf 14a EnWG gemeinsam für Wärmepumpe, PV und Speicher planen. Das spart doppelte Elektrikerkosten, und die reduzierten Netzentgelte für steuerbare Wärmepumpen (je nach Netzgebiet grob 110 bis 360 Euro im Jahr) nimmt man gleich mit.
- Erst Heizlast klären, dann PV rechnen: Je geringer der Wärmebedarf nach etwaiger Dämmung, desto kleiner die Wärmepumpe und desto höher der PV-Deckungsanteil.
Häufige Fragen zur Kombination
Wie viel Wärmepumpen-Strom deckt meine PV-Anlage?
Löst ein Batteriespeicher das Winterproblem?
Wie groß müssen PV und Speicher sein?
Was kommt zuerst, Wärmepumpe oder PV?
Bringt SG-Ready spürbar etwas?
Ihre Kombination, einmal richtig gerechnet
Wir planen Wärmepumpe und Photovoltaik als ein System: Heizlast, Dach, Eigenverbrauch, Förderung, Reihenfolge. Herstellerneutral, mit Zahlen statt Versprechen.
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Grundlagen: Deckungsgrade laut Verbraucherzentrale Energieberatung und Feldtest des Fraunhofer ISE (77 Anlagen, Presseinformation 11/2025); HTW-Berlin-Auswertung von 730 Haushalten und Unabhängigkeitsrechner (solar.htw-berlin.de); Dimensionierungs-Faustregeln nach Verbraucherzentrale und Branchenpraxis; RWTH-Studienergebnis zur Wärmepumpengröße (10/2024); Wirtschaftlichkeit laut E.ON/RWTH-Analyse (2024, eigene Annahmen); Einspeisesätze nach EEG, Stand Juli 2026; Netzentgelt-Reduktion nach Paragraf 14a EnWG, Beträge netzgebietsabhängig.
Alle Angaben nach bestem Wissen, Stand 24. Juli 2026, ohne Gewähr. Deckungsgrade und Autarkiewerte sind Studien- und Feldtestwerte, keine Zusagen für den Einzelfall; keine Autarkie- oder Renditeversprechen. Keine Rechts- oder Steuerberatung. Die VAN DER RHEEDE Renewables ist eine herstellerneutrale Fachberatung und Vermittlung; die Umsetzung erfolgt durch qualifizierte Fachpartner.