Standpunkt · 30. Juli 2026

Wer heute eine Gastherme einbaut, geht eine Wette ein

Nicht auf den Gaspreis, sondern auf ein Netz, dessen Fixkosten auf immer weniger Anschlüsse verteilt werden. Warum wir diese Wette für verloren halten.

Standpunkt. Dieser Beitrag ordnet ein und bewertet. Die Zahlen und Rechtsstände sind belegt und verlinkt, die Schlussfolgerung ist unsere Sicht. Wir verkaufen keine Anlagen und verdienen an keiner Technologie mehr als an einer anderen.

Wir verkaufen keine Heizungen. Deshalb können wir einen Satz schreiben, den kein Heizungsbauer schreiben kann, der Gasthermen im Lager hat: Eine neue Gastherme ist 2026 keine technische Entscheidung mehr, sondern eine Wette. Und zwar nicht auf den Gaspreis, über den alle reden, sondern auf zwei Posten, über die kaum jemand redet.

Worauf gewettet wird

Das Gasnetz kostet, was es kostet, unabhängig davon, wie viele Haushalte daran hängen. Leitungen müssen gewartet, Druck gehalten, Sicherheit geprüft werden. Diese Fixkosten werden über das Netzentgelt auf die Anschlüsse verteilt. Steigen die Kosten nicht und sinkt die Zahl der Anschlüsse, steigt der Anteil pro Anschluss trotzdem.

Genau das passiert. Und die Bundesnetzagentur hat die Richtung mit der Festlegung KANU 2.0 bereits vorgezeichnet: Netzbetreiber dürfen ihre Anlagen bis spätestens 2045 verkürzt abschreiben. Die Kosten werden also bewusst früher eingesammelt, nicht später.

Wer heute eine Gastherme einbaut, wettet darauf, in den nächsten zwanzig Jahren zu den Letzten zu gehören, die im Netz bleiben, und dass das trotzdem billig bleibt. Beides gleichzeitig kann nicht aufgehen.

Warum wir sie für verloren halten

Wir haben es durchgerechnet, für ein Wohnhaus mit 20.000 Kilowattstunden Wärmebedarf, Zeitraum 2026 bis 2045, und zwar ohne einen Cent für das Gas selbst. Nur CO2-Abgabe und Netzentgelt:

Der Eigenanteil einer geförderten Wärmepumpe liegt im Standardfall bei rund 23.500 Euro. Schon bei einer Verdoppelung zahlen zwei Nebenposten die Wärmepumpe einmal komplett, bevor über Brennstoff, Wartung oder Schornsteinfeger gesprochen wurde.

Das ist der Kern unserer Bewertung: Die Diskussion dreht sich um den Anschaffungspreis der Wärmepumpe. Die eigentliche Rechnung steht aber auf der anderen Seite, und sie läuft leise weiter, Jahr für Jahr, ob man hinsieht oder nicht.

Wo wir uns irren könnten

Ehrlichkeit gehört dazu, deshalb die Gegenseite. Die Verdoppelung ist eine Annahme, keine Tatsache. Es ist politisch denkbar, dass der Gesetzgeber die Netzkosten anders verteilt, etwa über einen Steuerzuschuss oder eine Umlage auf alle Energieträger. Dann fällt unsere Rechnung flacher aus. Und wer sein Haus in zehn Jahren verkauft, trägt die Spätfolgen ohnehin nicht selbst.

Es gibt auch Fälle, in denen wir von der Wärmepumpe abraten, und wir benennen sie auf der Nachteile-Seite offen. Ein Denkmal mit Einzelöfen und ohne Platz für einen Speicher wird durch keine Netzentgeltprognose zum Wärmepumpen-Objekt.

Was daraus folgt

Nicht: sofort tauschen. Sondern: die Entscheidung mit beiden Seiten der Rechnung treffen, nicht mit einer. Wer eine funktionierende Gastherme hat, muss nichts überstürzen. Wer aber vor einem Austausch steht, entscheidet nicht über die nächsten fünf Jahre, sondern über die nächsten zwanzig.

Die vollständige Rechnung mit allen Szenarien und Quellen steht im Ratgeber Gasnetzentgelte, die stille Nebenrechnung. Und dass Ölkessel-Besitzer bei den festen Nebenkosten derzeit besser dastehen als Gaskunden, weil bei Öl kein Netzentgelt anfällt, gehört zur Ehrlichkeit dazu.

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